Alternative Verhütungsmethoden zu Pille und Co.

Vorwort

Heute dürft ihr ein Interview mit Frau Dr. Martina Marte lesen. Sie ist Christin, Mutter von zwei Söhnen und gibt Kurse zu der NER Methode. Was dies genau ist, wird weiter unten erklärt.

Gibt es Alternativen zu hormonellen Verhütungsmethoden und wenn ja, wie sicher sind diese?

Diese und noch einige weiteren Fragen möchte ich heute mit Martina auf den Grund gehen.

Martina mit ihrem Ehemann

Ich habe ein paar Fragen für sie zusammengestellt, die sie in Eigenregie beantworten und nach Belieben noch ergänzen konnte- was sie auch wahrgenommen hat. Es wurde sehr interessant, wie ich finde!

Aber gut… Macht euch selbst ein Bild! Viel Spaß!

Einleitung

Jede Frau stellt sich irgendwann die Frage nach der für sie richtigen Verhütungsmethode. Ich finde aber gerade als Christ wird es hierbei gleich noch eine Spur komplizierter. Denn sobald man sich ein bisschen genauer mit allem beschäftigt kommt man am Thema Frühabtreibung nicht mehr vorbei.

Methoden gibt es sehr viele verschiedene:hormonelle, mechanische, chemische und operative. „Notfallmethoden“ zählen sicher nicht zur Verhütung.

INTERVIEW

Erzähle uns kurz: Wer bist du? Was sind deine Qualifikationen?

Ich bin ich. Nein ganz im Ernst, ich bin ein 36 jähriges Kind Gottes, glücklich verheiratet und Mama von zwei Jungs- in Vollzeit. Vor der Geburt des Großen war ich Ärztin. Direkt nach der Geburt habe ich dann aus Interesse und Eigennutz die Ausbildung zum Multiplikator für die  natürliche Empfängnisregelung nach Rötzer, kurz NER; gemacht.

Wie kamst du auf die Idee Kurse zu alternativen Verhütungsmethoden zu geben? Was ist deine Motivation?

Da ich aufgrund einer chronischen Darmerkrankung keinerlei gängige Verhütungsmethoden vertragen habe, wurde mir von meiner Frauenärztin die natürliche Empfängnisregelung empfohlen. Diese habe ich dann einige Zeit in meiner Beziehung zu meinem jetzigen Mann angewandt rein aus Mangel an Alternativen. Als wir dann beide Christen wurden, war klar, dass wir erst mit der Ehe wieder Sex haben würden und dass – dieses Mal aus Überzeugung –keine andere Methode in Frage kommen würde.

Wie genau ich zu dem A-Kurs in Arbogast kam weiß ich gar nicht mehr. Meine Motivation diese Methode weiterzugeben, ist die wunderbare Erfahrung damit auch im Einklang mit unserem Christ Sein.

Welche Methoden gibt es und wie sicher sind diese Methoden?

Methoden gibt es sehr viele verschiedene: hormonelle, mechanische,chemische und operative. Notfallmethoden wie die Pille danach können keinesfalls zu den Verhütungsmethoden gezählt werden. Am gängigsten sind wahrscheinlich immer noch Pille und Kondom. Ab einem gewissen Alter auch die Sterilisation (Unterbinden lassen) beim Mann. Von Sicherheit zu sprechen ist paradox. Besser wäre der Ausdruck der Zuverlässigkeit einer Methode. Auch hier muss wieder zwischen der Methodensicherheit und der Anwendersicherheit unterschieden werden. Es ist ein Unterschied ob z.B. die Pille jeden Tag oder nur sporadisch genommen wird.

Generell wird für die Zuverlässigkeit aber der Pearl-Index herangezogen. Dieser Index beschreibt wie viele von 100 Frauen in einem Jahr mit der Methode überraschend schwanger wurden. Je niedriger der Index, desto zuverlässiger die Methode. Der PearlIndex ohne Empfängnisregelung liegt bei 30, bei der Pille von 0,1 bis 0,9, beim Kondom von 1 bis 12.

Die NER hat eine Gebrauchssicherheit von 0,8, kann also problemlos mit allen gängigen Methoden mithalten bzw. ist sogar zuverlässiger.

Wo denkst du liegt das Problem für uns Christen?

Einerseits sollte uns bewusst sein, wie die hormonellen Mittel eine Schwangerschaft verhindern: Es wird nicht, wie immer behauptet, der Eisprung in allen Fällen verhindert, denn dann wären die anderen Mechanismen ja gar nicht mehr von Nöten. Somit kann es immer wieder zu einem Eisprung und auch zu einer Befruchtung kommen. Dann kommt die Störung der Eileiterbewegung, der fehlende Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zum Tragen. Eine weitere Funktion der hormonellen Methoden ist die Konsistenzveränderung des Zervixschleims damit die Spermien einen schwereren Zugang haben.

Das ist der Grund warum man hier von Frühabtreibungen spricht.

Was für Nebenwirkungen und vor allem auch langfristige Nebenwirkungen haben Hormonpräparate?

Alle Nebenwirkungen aufzuzählen ist mir ehrlich gesagt ohne Bücher und Beipackzettel gar nicht möglich. Es ist natürlich klar, dass nicht alle Nebenwirkungen bei jedem eintreten müssen. Was ich aber aus meiner Erfahrung aus Kursen und Beratungen sicher sagen kann ist, dass der Zyklus nach Absetzen der Präparate bestenfalls auf dem Stand von vor der Einnahme ist und ein unregelmäßiger Zyklus dadurch nicht verbessert wurde.

Auch ging es bei einigen Frauen sehr lange, bis sich überhaupt wieder ein Zyklus eingestellt hat. All dies wird natürlich dann zum Problem, wenn ein Kinderwunsch vorhanden ist aber eine Schwangerschaft sich aus den genannten Gründen einfach nicht einstellen kann.

Ist natürlich gleich natürlich?

Auch bei den sogenannten natürlichen Methoden gibt es signifikante Unterschiede und diverse Methoden. Die Kalendermethode wie die reine Temperatur oder die alleinige Zervixschleimbeobachtung gelten als sehr unzuverlässig, ebenso der Koitus interruptus. Die bekannten anderen Methoden sind der Computer, die NFP und die NER. Am sichersten ist meiner Meinung nach immer noch die NER. Der Computer mag uns zwar ein wenig bequemer erscheinen, hat aber in der Auswertung kleine Lücken.

Gerade bei Paaren bei denen eine Schwangerschaft absolut kontraindiziert ist z.B. aus gesundheitlichen Gründen, kann ich trotzdem zur NER raten.

Was sagst du zu den Vorurteilen der NER gegenüber?

Die Sicherheit haben wir ja oben schon diskutiert. Der Aufwand des ganzen ist minimal: morgens fünf Minuten Temperatur messen im Halbschlaf, dann ein kurzer Punkt und am Abend eine kurze Eintragung in die Tabelle. Und es ist in wirklich allen Lebenslagen anwendbar: egal ob zur Empfängnisregelung, bei Kinderwunsch, in der Stillzeit, Wechseljahren, bei unregelmäßigen Zyklen, Schichtdienst.

Das Arbeitsblatt steht unter https://iner.org/files/02_anwenden/zyklustabellen/Zyklusblatt.pdf zum freien Download bereit

Und die Vorteile?

Ganz klar, dass ich keinen Eingriff in meinen Körper habe und somit auch keinerlei Nebenwirkungen. Zudem ist es sehr viel günstiger, sehr zuverlässig und interessant den eigenen Körper kennen zu lernen. Schön finde ich auch was die NER für Ehen bedeutet. Man ist nicht immer wie selbstverständlich verfügbar, zieht an einem Strang und nimmt Rücksicht aufeinander.

Es gibt sogar Studien, wonach die Scheidungsrate bei Paaren die NER praktizieren geringer ist.

Abschlussworte

Vielen herzlichen Dank Martina, dass du bereit warst all diese Fragen zu beantworten. Ich weiß, wie schwer es oft sein kann,sich konzentrieren zu können, wenn nebenher die Kinder Kinder sind… 😉 Daher danke, dass du die Zeit finden konntest!

Ich möchte mit dem Beitrag nicht erreichen, dass sich Frauen nun schlecht fühlen, die eine hormonelle Verhütungsmethode gewählt haben. Allerdings möchte ich aufzeigen, dass es gute Alternativen gibt, die zudem auch dazu führen können, dass der Partner sich mehr Gedanken um den Zyklus seiner Frau macht und sich zudem mehr involviert fühlt, in die Abläufe des weiblichen Körpers.

Der weibliche Körper mit seinem Hormonhaushalt ist so wahnsinnig Komplex und es hängt soviel damit zusammen, dass man viel mehr darauf achten sollte. Je besser man sich selbst und seinen Körper kennt und auch auf diesen hört, desto besser kann man auch auf sich achten, in vielerlei Hinsicht. Es schafft ein vollkommen neues Körperbewusstsein und Vertrauen in sich selbst, wenn man auf seinen Körper hört! Dazu fällt mir das Gebot ein: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“.


Martina veröffentlicht regelmäßig Artikel in der christlichen Mütterzeitschrift „Sonne im Haus“, zudem entsteht derzeit ein Blog von ihr, was ich mitbekommen habe. Ich verlinke, sobald sie diesen frei gibt. 

Für Kursanfragen oder allgemeinen Fragen ist sie zu erreichen unter der E-Mail Adresse: martina.marte@gmx.at

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