Interview mit einer Worshipperin

Über das Leben als Ehefrau, Mutter, Predigerin und Worshipperin

Vorwort

Heute habe ich die unglaubliche Ehre und darf July R. interviewen. July ist Worshipperin und Predigerin (Preacherin) im ICF Vorarlberg und wir kennen uns nun schon seit einigen Jahren.

Ich war immer schon fasziniert von ihrer absolut power geladenen Singstimme und ihrem Humor, welchen sie gerne ab und an in kurzen, privaten Videoclips und auf der Bühne unter Beweis stellt.

Heute möchte ich sie zu dem Thema Glauben und Familie interviewen und welche Rolle Jesus in ihrem Leben spielt.  

INTERVIEW

Hallo liebe July! Schön, dass du dich bereit erklärt hast, hier ein paar Fragen über dich zu beantworten!

Hallo! Und erstmal, danke liebe Anna, für diese tolle Möglichkeit, ein bisschen was aus meinem Leben teilen zu dürfen.

Du bist verheiratet mit einem Südafrikaner und hast zwei Kinder. Welchen Stellenwert hat deine Familie in deinem Leben? Gibt es kulturelle Unterschiede, wenn ja, wie meistert ihr die?

Genau, ich bin seit 4, 5 Jahren mit Craig verheiratet. Mit unseren zwei Kindern,  Lion (3) und Maila (1) leben wir im Montafon, was viele Kapstadtbereiste gar nicht verstehen können. 🙂
Meine kleine Familie bedeutet mir alles. Trotz vieler Herausforderungen und einem Dauerzustand von Müdigkeit, halte ich Familie für eines der wertvollsten Geschenke, die Gott uns anvertraut hat.

Craig und ich könnten wahrscheinlich nicht verschiedener sein. Was allerdings mehr an unseren Charakteren und Prägungen liegt, als an den kulturellen Unterschieden. Seine Eltern sind nämlich ursprünglich aus England, haben also europäische Wurzeln. 
Dennoch sind wir natürlich sehr unterschiedlich aufgewachsen. Und heute würde ich sagen, treffen wir uns in der Mitte unserer Prägungen und nehmen das Beste daraus heraus. Craig lernt, sich auch mal was zu gönnen und ich bin wohl ein bisschen sparsamer geworden.

Wie wichtig war dir der Glaube im Bezug auf deine Partnerwahl?

Naja, als bei mir das “sich verlieben” Thema wurde, hatte ich keinerlei Kontakt zu christlichen Männern. Tatsächlich glaubte ich,  dass Gott mich in diesem kleinen Tal wohl vergessen haben muss. In unserer kleinen christlichen Gemeinde gab es nur einen Single Mann der etwa doppelt so alt war wie ich und einen, der nur halb so groß war.

Dementsprechend hatte ich männertechnisch einige Fehlentscheidungen getroffen, die natürlich auch meiner Beziehung zu Gott beeinflusst haben. 

Erst nach vielen Jahren im Männerchaos, hab ich mich entschieden mit Gott wieder ganze Sache zu machen. 

Da ich wusste, wie schwierig es ist, den Glauben und eine Beziehung zu einem ungläubigen Mann zu kombinieren, wünschte ich mir unbedingt einen gläubigen Partner. 

Heute bin ich unendlich froh, dass ich mit meinem Mann beten kann, und wir einfach auch eine ganz andere Gesprächsbasis (Realität der unsichtbaren Welt etc) haben. Wobei wir wirklich nicht zu der Sorte Paar gehören, die alles vergeistlichen. Es ist uns wichtig, nicht zu “abgespacten” Christen zu werden, die nur in der christlichen Blase verweilen.

Du bist selbst in einer sehr großen Familie aufgewachsen, wie war das für dich als Kind und welche Auswirkungen hatte dies für dich im Erwachsenenalter?

Genau, ich bin das Älteste von 7 Kindern (alle vom gleichen Papa). Als Kind fand ich das nicht immer so prickelnd, denn als Großfamilie waren wir schon die Ausnahme. Und es war mir damals schon oft unangenehm, anders zu sein, als die anderen.

Dies waren wir ja schon allein wegen unseres Glaubens und das hätte mir als Teenager schon gereicht. Ich wusste noch nicht wer ich in Gottes Augen war und wollte einfach nur dazu gehören. Das ist bei mir dann ein bisschen ausgeartet und ich war meist die Anführerin von allem Chaos in der Schule. Unterordnung war mir damals ein Fremdwort. Zuhause, fand ich es aber ganz normal und auch meistens schön eine große Familie zu haben.

Heute bin ich ein totaler Familienmensch: Kaffeeklatsch bei Mama, am besten noch mit den Großeltern und allen Geschwistern find ich top ☺️

Ihr besucht regelmäßig die Freikirche: ICF Vorarlberg, in welcher ihr auch als Paar involviert seid. Wie wichtig ist euch eure Kirchengemeinde und welche Rolle spielt die Kirche allgemein in eurem Leben?

Hätte ich damals das ICF nicht kennengelernt, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr mit Gott unterwegs. Als Einzelkämpfer hat man es nicht einfach und schon gar nicht im Glauben.

Die Church-Family ist für mich mega wichtig. Leute um mich zu haben, die mir den Rücken stärken, für mich beten und mit mir kämpfen. Mich aber auch herausfordern, neue Dinge zu wagen, oder einfach an mir zu arbeiten.

Kirche ist für mich der Ort an dem ich Gott begegnen kann und meine Talente für ihn einbringe und der Ort, der mich motiviert im Glauben weiter zu kommen. Nicht nur sonntags, sondern an allen Tagen der Woche.

Wie hast du Jesus kennengelernt und wie kam es dazu, dass du dich für ein Leben mit ihm entschieden hast?

Meine Eltern haben sich bekehrt, als ich zirka sechs Jahre alt war. Schon als Kind durfte ich Gott erleben und ihm mein Leben anvertrauen. Dann kam es, wie es bei so vielen kommt:

In der Pubertät bin ich mit Jesus zweigleisig gefahren. In meinen frühen Zwanzigern, hatte ich dann eine ganz neue, tiefe Begegnung mit Gott und habe ihm erneut mein Ja gegeben.

Da bei mir so einiges schief gelaufen war, wollte ich einfach aus diesem “alten Leben” ausbrechen und einen Neuanfang mit Gott wagen. Das war dann allerdings gar nicht so einfach. Aber nach einem weiteren kurzen Schleudergang des Lebens (ja, ich war ein harter Fall) hab ich dann auch wirklich ganze Sache mit Jesus gemacht und bis heute nie bereut 🙂

Wie wichtig ist dir der Glaube im Alltag und wie integriert ihr diesen in euer Familienleben?

Den Glauben im Alltag zu Leben ist für mich sozusagen der Sinn der Sache. Das Leben steckt voller Überraschungen, der Alltag voller Herausforderungen. Eine Beziehung zu Gott haben zu dürfen, – also mit ihm zu reden, ihn ins Leben mit einzubeziehen, Sorgen an ihn abzugeben – ist so ein Geschenk.

In meinem Alltag sieht das so aus, dass ich ganz normal, also auch laut, mit IHM rede. Ich dank ihm für die schönen Dinge, und wenn ich was nicht versteh, dann flipp ich auch mal aus. Das übrigens auch vor meinen Kindern. Die dürfen ruhig sehen, dass Gott gegenwärtig ist und mit unseren Emotionen umgehen kann.

Eigentlich wünsch ich mir, dass meine Kinder den Glauben und Gott ganz natürlich kennen lernen. Dass sie von uns Eltern sehen, dass beten und singen ganz normal ist und kommunizieren mit Gott möglich ist.

Außerdem ist es mir wichtig, dass dies ohne Zwang passiert. Wir beten z.B. nicht vor jedem Essen, aber von Herzen jederzeit, wenn es uns in den Sinn kommt.

Als mein Sohn letztens zu meiner Tochter ins Zimmer ging, und sie mit folgenden Worten tröstete, wusste ich, dass er was verstanden hatte:
“Maila du musst keine Angst haben, Jesus ist doch immer bei dir. “

Du predigst immer mal wieder im ICF. Wie reagierst du auf den Vorwurf, den es immer mal wieder in christlichen Kreisen gibt, dass Frauen laut der Bibel nicht predigen dürfen?

Bislang hat man mich persönlich noch nicht darauf aufmerksam gemacht. Aber ich würde damit argumentieren, dass man Aussagen der Bibel nicht einfach aus dem Kontext nehmen darf. Es lohnt sich den damaligen Hintergründen und Umständen auf den Grund zu gehen, um die Bibel besser zu verstehen.

Wenn Gott Frauen eingesetzt hat, um ein Land zu regieren, glaub ich auch, dass er es absegnet, wenn eine Frau in der Kirche lehrt. Es ist ein und derselbe Geist der in Männern und Frauen lebt. Und ich glaube, dass die Kirche auch von einer femininen Sicht der Dinge profitieren kann.

Wie eingangs schon erwähnt, mag ich deine Singstimme sehr gerne. Hast du deine Stimme extra trainiert, z.B. mit Gesangsunterricht? Würdest du dich als Vollblutmusikerin bezeichnen? Welchen Stellenwert hat Musik in deinem Alltag?

Ich hab es schon immer geliebt zu singen, hab allerdings nie wirklich Gesangsunterricht genommen. Bis auf eine handvoll Einzelstunden.. Heute schau ich mir gern ab und zu ein YouTube Video von vocal-coaches an. Auf gar keinen Fall würde ich mich als Vollblutmusikerin bezeichnen, ich kann z.B. keine Noten lesen. Bis auf ein paar Akkorde auf meiner Gitarre, kann ich nicht mal ein Instrument spielen.

Aber ich LIEBE Worship. Es ist einfach eine wunderbare Art sich mit Gott zu connecten. Ein gesungener Austausch unserer Herzen.

Und ganz allgemein, geht mit Musik doch alles gleich leichter von der Hand.

Und wenn ich mal wieder denk, ich bin im falschen Film (ja das kommt vor) machts sich mit der richtigen “Filmmusik” auch gleich besser 🙂

Du bist gelernte Polizistin – fand ich übrigens schon immer cool – du hast deinen Job jedoch schon länger an den Nagel gehängt um im elterlichen Metzgereibetrieb mitzuarbeiten. Was hat dich dazu bewogen?

Dafür gab es mehrere Gründe. Polizistin zu werden war mein Kindheitstraum. Mit den Lebensumständen veränderte sich jedoch auch meine Bereitschaft, immer abrufbar zu sein, an Wochenenden zu arbeiten, bzw dann frei zu haben, wenn niemand sonst frei hat.

Zudem bin ich ziemlich sensibel und so manchen Schicksalsschlag, den man im Dienst hautnah miterlebt, hab ich mit nach Hause genommen. Das hat meiner Psyche nicht gerade einen Gefallen getan.

Als meine Oma dann in Pension ging (längst überfällig), hab ich die Chance ergriffen und ihre Stelle übernommen. Win-win Situation.

Wie handhabt ihr die Veränderungen in der Gesellschaft bezüglich Ehe und Familie? Welches Bild von Ehe und Familie tragt ihr nach außen? Besser gesagt, welches Bild wollt ihr nach außen tragen?

Ich liebe dieses Zitat, in dem es heißt: “Früher hat man die Dinge noch repariert und nicht einfach weggeschmissen” Ganz ehrlich? Ehe ist harte Arbeit!

Und auch bei uns läuft’s manchmal eher eckig, als rund. Ich wünsche mir für unsere Ehe, dass Aufgeben keine Option ist. Dass wir aneinander dranbleiben und uns die Liebe nicht stehlen lassen. (Vom Alltag zum Beispiel, oder vom Stress oder der sexy Sekretärin) haha, wenn mein Mann das grad lesen würde. 😊

Wenn wir Gott aktiv in unsere Ehe mit einbeziehen und ihn die Mängel ausfüllen lassen, die ein Partner gar nicht ausfüllen kann (und soll) kann es funktionieren. 😊

Mit was beschäftigst du dich neben Ehe, Familie und Kirche gerne? Was sind deine Hobbies? Gibt es für dich besondere Rituale oder Tätigkeiten, die dir helfen, um die eine Auszeit von all dem zu verschaffen?

Hobbies? Kann man das essen? Hmm… Ich liebe Spaziergänge, ein heißes Bad und GZSZ (ja, ich hab sogar ein RTL now Abo, damit ich die Folgen gucken kann, wenn ich Zeit hab) da kann ich so richtig abschalten. 

Außerdem dichte ich ganz gern. Für Geburtstage, Hochzeiten etc.
Manchmal fange ich auch an Sachen aufzuschreiben, als ob ich ein Buch schreiben würde. Mal schauen, ob da mal was entsteht. Vielleicht eine Kolumne 😁

Und nun zu guter Letzt, dein Humor, der dir schon so zu manchem Lacher verholfen hat. Findet der auch in deinem Alltag, mit deiner Familie Platz?

Ja klar!!! Ich liebe es mich zum Affen zu machen, meinen Kinder gefällt’s auch. Ich glaub mein Mann schämt sich ab und zu… Nun ja, damit muss er leben. 😜

“Letzte Worte” an die Leser: Was wolltest du schon immer mal loswerden?

Falls irgendjemand, der das hier liest, mal gerne bei mir zum Putzen oder Bügeln vorbei kommen möchte – einfach einen Kommentar hinterlassen.

Bei mir ist nämlich wegen der Beantwortung dieser Fragen, grad einiges liegen geblieben. 😜

Abschlussworte

Dieses Interview wurde aus Zeitgründen per E-Mail geführt.

Vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit dafür genommen hast und bereit für dieses Interview warst! Es war mir eine große Ehre dich dies alles fragen zu dürfen.

Ja und wer weiß… Vielleicht dürfen wir von July in Zukunft ja noch mehr lesen und hören. Die Idee mit der Kolumne sollte weiterverfolgt werden! 😊


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Gerne darfst du auch als eigenständiger Autor schreiben, wenn du dies möchtest: Sieh dir diesen Artikel an und schau, ob wir zusammen passen! 

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