Frauen zwischen Karriere und Familie

Von allen Seiten bekommen junge Mädchen heutzutage gesagt, wie wichtig eine gute Ausbildung und Karriere ist. Selbstverwirklichung wird ganz groß geschrieben. Kinder kann man ja auch später immer noch kriegen, notfalls mit medizinischer und/oder technischer Hilfe. Aber ist diese öffentlich propagierte Idealvorstellung auch das, was Frauen wirklich wollen?

Durch die tragische Geschichte einer guten Freundin, die mit Mitte 30 gerne endlich Kinder bekommen würde, aber nicht mehr kann – nicht mal über künstliche Befruchtung – wurde dieses Thema wieder sehr aktuell für mich.

Wenn man so den Medien und Politikern zuhört könnte man meinen, Karriere und Familie als Frau unter einen Hut zu bringen wäre ein Kinderspiel. Die Politik müsse nur die Kinderbetreuung ausbauen, dann wäre alles in Butter. Wenn es so einfach wäre! Vielerorts gibt es noch zu wenige Plätze, zu kurze Betreuungszeiten. Da muss noch viiiiiel Steuergeld investiert werden, bevor das überall so ist, wie sich die Politik das vorstellt!

Als Verfechter der Selbstbetreuung habe ich natürlich meinen eigenen Standpunkt dazu 😉

Zum Anfang erzähle ich euch mal kurz meine persönliche Geschichte.

Mein Traumberuf war Ärztin/Chirurgin, schon von sehr klein auf. Ich wollte einmal als Missionarin arbeiten und den Menschen auch praktische Hilfe bringen können. Trotzdem wollte ich auch immer eine Familie haben. Wie das funktionieren soll? Da machte ich mir noch keinen Kopf drum. Man hörte ja überall nur, wie gut man heutzutage Familie und Beruf unter einen Hut bringen kann.

Ich habe meine gesamte schulische Laufbahn auf dieses Ziel ausgerichtet, hab mich angestrengt um gute Noten zu bekommen, saß in der Hauptschule als einziges Mädchen im naturkundlichen Zusatzfach statt des musischen, hab dann den naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums besucht (Oberstufe) und extra Latein statt Französisch gewählt und sogar darin maturiert (Abitur gemacht). Damals (2005) konnte man hier in Österreich einfach im Herbst an die Uni gehen und sich im gewünschten Fach einschreiben. Ich hatte noch vor meinem Abschluss ein Studentenzimmer und alle anderen Vorkehrungen getroffen.
Direkt nach der Matura bin ich dann ganz alleine für 2 Wochen nach Israel geflogen, quasi meine private Maturareise. Das Land faszinierte mich schon lange und ich wollte endlich mal auf dem Boden stehen, auf dem Jesus vor 2000 Jahren entlang ging.

Tja, diese Reise kostete mich meinen Studienplatz.

Kurz vor meiner Rückkehr hatte der EuGH beschlossen, dass alle EU-Bürger in allen EU-Ländern zu den dortigen Bedingungen studieren gehen können. In Österreich gab es keinen Numerus Clausus und viele Deutsche nutzten dies, um sich sofort an den Unis hierzulande einzuschreiben. Diese mussten die Studentenflut jetzt irgendwie eindämmen und beschlossen kurzerhand, dass man eine Bewerbung abgeben muss und sie dann anhand dieser eine Auswahl treffen. All dies geschah wie gesagt kurz vor meiner Rückkehr.
Als ich wieder zuhause war, waren die Plätze praktisch schon alle weg, aber ich habe die Unterlagen zusammengestellt und abgeschickt. Während der Wartezeit habe ich meinen Ferialjob als Reinigungskraft in einem Pflegeheim angefangen. Nach über 2 Monaten bekam ich dann nach einigem hin und her die endgültige Absage von der Uni, meine Bewerbung war zu spät angekommen.

Das hat mich erst mal aus der Bahn geworfen. Mein Traum war einfach so geplatzt.

Das Studentenzimmer wurde ich Gott sei Dank schnell los und in dem Job als Reinigungskraft konnte ich noch eine Weile bleiben. Erst mal wollte ich es im nächsten Studienjahr gleich nochmal versuchen. Aber dort im Pflegeheim habe ich gesehen, wie und was Krankenpfleger arbeiten. Und das hat mir gefallen. Außerdem dauerte die Ausbildung auch nur 3 Jahre und nicht ca. 7 Jahre Studium und dann noch Turnus und Facharztausbildung. Für Familie würden sich die Arbeitszeiten einer Krankenschwester besser eigenen. Und natürlich wäre meine Ausbildung auch als Missionarin immer noch wertvoll.

2466_1054825184429_4331805_nAlso habe ich mich bei den beiden Krankenpflegeschulen im Land beworben – Und bin auch heute noch sehr froh drum. In der Ausbildung hab ich mitbekommen, was für Horror-Dienste man als junger Arzt hat. Da waren auch ein paar Mütter dabei, und ihr Spagat zwischen Karriere und Familie war merklich anstrengend. Die kinderlosen Frauen hatten kaum Zeit für eventuelle Partner und eine hat mir mal ganz ehrlich gesagt, dass sie mit einer Familie „nebenher“ nicht klar kommen würde und lieber wartet, bis sie ihren Facharzt hat und etwas bessere Arbeitszeiten.

Die Ausbildung zur Krankenschwester war die beste Entscheidung meines Lebens. Was ich allerdings bereue, ist, dass ich keine Hauswirtschaftsschule besucht habe, sondern das Gymnasium. Da hätte ich heute mehr davon. Aber gut, das konnte ich damals ja nicht wissen.

Nach fast 6 Jahren zuhause habe ich Mitte September wieder angefangen zu arbeiten, im örtlichen Altenwohnheim. 30%, was durch die langen Dienste nur 5-6 Tage im Monat sind.
Alle drei Kinder sind vormittags in Schule und Kindergarten, mein Mann hat einen sehr flexiblen Job als Hausmeister (zu 50% angestellt) und nebenher eine Teilselbstständigkeit. Es ist also immer jemand von uns beiden zuhause für die Kinder. Unter anderen Umständen könnte ich gar nicht arbeiten, da ich immer 12 Stunden außer Haus bin von halb sieben (Wochentags) oder sechs weg (Wochenende und Feiertage), und die KiGa- und Schulzeiten das nicht annähernd abdecken.

So, damit zurück zum eigentlichen Thema 😉

Was denkt eigentlich die Bevölkerung?

Die Stimmung untern den Frauen/Müttern selber erlebe ich persönlich als komplettes Gegenteil der durch Medien und Politik verbreiteten Meinung. Vielleicht liegt das an meinem speziellen Umfeld und Freundeskreis, aber ich habe auch online schon sehr viele Mütter kennengelernt, und der Grundton ist überall gleich:

Der absolute Großteil möchte zuhause bei den Kindern bleiben, mindestens bis sie in den Kindergarten kommen.

Wenn sie arbeiten gehen hat das eigentlich nur zwei Gründe:

  1. Der weitaus häufigste ist finanzieller Natur. Und da kommt es auch drauf an, was die Kinderbetreuung kostet, denn teilweise rentiert es sich dann gar nicht wirklich, arbeiten zu gehen, wenn schlussendlich höchstens 100€ mehr im Monat übrigbleiben. Viele machen dann lieber ein paar Abstriche und verbringen dafür Zeit mit ihren Kindern
  2. Die Kinder sind sowieso außer Haus (KiGa, KiTa oder Schule) und sie nutzen diese Zeit, um im Beruf zu bleiben und etwas Abwechslung zu haben.

Ich gehöre zum Typ 2, habe zum Glück meinen Mann als „Kinderbetreuung“, und sogar diese paar Tage im Monat möchten organisiert werden, damit kein Termin vergessen wird, ich Schulforum, Elternsprechtage und Dienstbesprechungen besuchen kann, Einkäufe erledigt werden etc.

Was ich auch häufig höre: dass man als arbeitende Mama halt die Zeit abends mit den Kindern intensiver nutzt und genießt. Grade letztens hab ich mich mit anderen Müttern zufällig darüber unterhalten und alle haben dasselbe gesagt (inhaltlich): „Keine Mutter kann mir erzählen, dass sie nach einem langen Arbeitstag noch genug Energie hat, mit den Kindern wunder was zu unternehmen!“

Genau das war auch mein Gedanke. Wenn ich abends nachhause komme, bin ich froh, dass ich nur noch mit den Kindern lese, kuschel, evtl. noch eine Runde Karten spiele – und sie dann im Bett sind und ich einfach meine Ruhe hab! Gut, ich mache natürlich echt lange Dienste, aber auch nach einem 8h Dienst hätte ich dasselbe Bedürfnis nach Ruhe. Auch meinem Mann geht es oft so. Wir lieben unsere Kinder über alles und genießen jede Sekunde mit ihnen, aber wenn man arbeiten geht hat man einfach nicht mehr so viel Geduld und Energie.

Es mag wohl Mütter geben, die das wirklich so machen können, aber ich habe den Eindruck, dass es dieses Phänomen eher selten gibt. Dafür wird das von Medien jeweils ausgeschlachtet bis zum geht-nicht-mehr.

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Und meinen Kindern merke ich auch an, dass sie mich vermissen. Wenn ich morgens zur Arbeit fahre schlafen sie meistens alle noch tief und fest. Abends wollen sie dann viel Aufmerksamkeit von mir, sind dementsprechend anhänglich, und unser allabendliches Kuscheln muss dann meist etwas verlängert werden.

Zusammenfassung

Ich nehme in der Bevölkerung also einen ganz anderen Trend wahr, als uns Medien und Politik glauben machen wollen. Der Staat freut sich natürlich, wenn Mütter möglichst viel und früh wieder arbeiten gehen, weil das die Wirtschaft ankurbelt und mehr Steuereinnahmen reinkommen.

Aber den Kindern und Müttern tut das nicht gut. Die Bindung, das Urvertrauen wird in den ersten 3-5 Jahren geprägt. Eine Kleinkindbetreuung mit 2 Erwachsenen auf 10-20 Kinder kann das weder ersetzen noch den Bedürfnissen der Kleinen annähernd gerecht werden.

Kinder sind unsere Zukunft und somit das wichtigste überhaupt. Ihr Wohl sollte unsere höchste Priorität sein. Es wird Zeit, dass die Politik dies endlich wahrnimmt.

7 Gedanken zu „Frauen zwischen Karriere und Familie

  1. Interessant! Bei mir ist alles anders, und ich habe auch einen ganz anderen Gesamteindruck als du: ich arbeite, weil ich unabhängig sein will, und drei Jahre zu Hause könnte ich mir beim besten Willen nicht für mich vorstellen. Und natürlich auch aus finanziellen Gründen: denn der Vater meines zweiten Kindes möchte seine Hälfte der Elternzeit auch nehmen und die Freiheit haben, seine Arbeitsstunden zu reduzieren, um mehr Zeit mit den Kindern zu haben. So ist es bei vielen Familien in meinem Umfeld – es hängt wohl wirklich sehr davon ab, wo man sich so umtreibt. So mal als Stimme aus der Bevölkerung 🙂

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    1. Danke 😊 Das dachte ich mir schon: Eher nördlich von Deutschland. Da ticken die Menschen bezüglich Familie etwas anders, was ich immer wieder aus dem Netz so mitbekomme.

      Hier sind alle ziemlich traditionell und katholisch geprägt, wodurch hier ein anderes Familienbild vorherrscht.

      Kinder werden länger im Familienverband gehalten und die Familien achten oft sehr auf ein traditionelles Familienbild. Natürlich kommt es immer noch darauf an, ob Stadt oder Land.

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      1. Genau, Stadt oder Land finde ich da auch fast bedeutsamer – auf dem niedersächsischen Land, wo ich groß geworden bin, ist das auch noch ganz anders. Dazu kommt, dass mich sehr viel im links-grünen, politisch interessierten und auch durchaus politisch aktivem Milieu bewege, sowohl privat als auch auf der Arbeit. Da arbeiten einfach viele Männer Teilzeit, die Frauen verdienen zum Teil deutlich besser, Elternzeit wird mindestens geteilt etc pp. Nicht ganz repräsentativ, sicherlich, aber eben mein Umfeld.

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      2. Stimmt, mit der politischen Gesinnung hängt auch viel zusammen. Was ich sehr schade finde.
        Das war laut mir bis vor ein paar Jahren noch nicht so… Aber nun ja, anderes Thema. Danke für deine Erfahrungen! 🙂

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      3. So, nun komme auch ich endlich dazu, dir zu antworten 🙂
        Das Umfeld ist natürlich ausschlaggebend. Hier in Vorarlberg ist die Gesinnung bspw. auch komplett anders als in Wien, nicht nur bei diesem Thema sondern in vielen Dingen.
        Wie gesagt hab ich aber auch online schon viele (interessanterweise vor allem recht junge) Mütter kennen gelernt, die genau der selben Meinung sind. Ich bin auf Instagram sehr aktiv und treffe da auf die unterschiedlichsten Leute. Aber wirklich die meisten teilen meine Ansicht, egal welche politische Ausrichtung. Das überrascht mich immer wieder.

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