Effizienz und Elternschaft

Bevor ich Mutter wurde arbeitete ich, wie wohl fast jede Frau hierzulande.

In meinem Ausbildungsberuf, den ich 10 Jahre lang ausführte, war und ist es wichtig, dass man effizient ist. Obwohl ich in einem Dienstleistungsberuf arbeitete, der sich um Menschen kümmert, zählte nur eins: Geschwindigkeit! Arbeitsabläufe wurden immer weiter optimiert.
Das Ziel: Es soll immer weniger Personal für einen Arbeitsablauf benötigt werden und die Arbeitskraft immer schneller zum Abschluss des jeweiligen Arbeitsschrittes kommen. Natürlich dürfen trotz allem keine Fehler gemacht werden…! Zeit ist Geld! Auf gut deutsch: Zack Zack und nicht einschlafen beim arbeiten!!!

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Manchmal dachten wir uns und schon, es wäre eigentlich besser Roboter statt Menschen einzustellen…

Ja und dann wurde ich Mutter…

… mein Alltag verlangsamte sich schlagartig. Es war furchtbar für mich! Ich wurde jahrelang auf Schnelligkeit und Effizienz getrimmt und auf einmal hatten diese „Werte“ absolut keinen Bestand mehr! Im Gegenteil, es war absolut hinderlich für meinen Alltag. Ein Baby, ein Kind „arbeitet“ nämlich nicht effizient. Es handelt bedarfsorientiert. Wenn ein Baby Hunger hat, Durst hat, schlafen möchte oder sich nach der Mama sehnt, dann schreit es. Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Egal, was die Mama gerade macht. Egal, ob es gerade in den Ablauf der Mama hineinpasst.
Warum erwähne ich nur die Mama? Ganz einfach, für ein Neugeborenes Baby zählt schlicht und ergreifend nur die Mama und nur ganz alleine die Mama. Alle anderen Personen, wie der Papa oder andere Verwandten sind erst einmal irrelevant, auch wenn das der Papa nicht gerne hört. Bei der Mama war man 9 Monate im Bauch, die gibt einem Sicherheit, sie gibt einem die überlebensnotwendige Nahrung, sie beschützt einen auf Leben und Tod. Das weiß ein Baby ganz intuitiv und daher ist nur allein die Mama die ersten Lebenswochen oder Monate die wichtigste Bezugsperson. Alle anderen spielen eine Nebenrolle in dem noch jungen Leben eines Babys.
Die sind gut um der Mutter das Baby mal für kurze Zeit abzunehmen, aber sobald die Grundbedürfnisse des Babys erwachen, ist es einzig und alleine die Mutter, die ein Baby benötigt. 

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Dies war für mich persönlich die einfach heftigste Umstellung. Von null auf hundert ständig ein kleines Wesen um mich herum, dass mich gefühlt ständig brauchte und ich hatte das Gefühl zu ersticken… Nie das tun können, was ich will, was gerade ansteht, was meiner Meinung nach wichtig war. Das kleine neue Wesen bestimmte ab dem Tag der Geburt mein Leben zu 100%.

Manche Eltern versuchten das schon in der Vergangenheit zu optimieren, indem sie einen Stilltaktungsplan einführten. Heute weiß man, dass stillen nach Plan absolut nonsense ist und trotzdem wird es den jungen Eltern z.T. noch beigebracht. Heute weiß man, dass die Nahrungsgabe dann erfolgen sollte, wenn das Baby Hunger hat und nicht dann, wenn die Uhr es sagt… Es gibt sicherlich Babys, die nur alle vier Stunden Hunger bekommen, aber die Regel ist das nicht. Heute ist man Gott sei Dank soweit, dass man auf die Bedürfnisse des Babys hört und nicht nur auf die Bedürfnisse des Erwachsenen. 

Nach inzwischen drei Stillkindern ist das alles jetzt allerdings kein Problem mehr.

Man hat sich Strategien zurechtgelegt, wie sich alles im Alltag integrieren lässt, bzw man hat seinen Alltag so angepasst, dass es so gut wie nicht mit den Bedürfnissen der Kinder  kollidiert. Sobald die Kinder etwas älter und selbstständiger werden kann man sie immer mehr versuchen anzupassen, damit die Eltern mehr Freiraum haben für ihre Wünsche und Bedürfnisse. So jedenfalls die Theorie…

Wenn ich versuche effizient zu sein, endet das bei allen Kindern in Geschrei, Wut und Hilflosigkeit.

Das geschieht meistens, wenn z.B. Termine eingehalten werden müssen und es nicht in Tagesablauf hineinpasst und die Kinder aus ihrem gewohnten Rhythmus herausgerissen werden oder sie schlicht und ergreifend etwas anderes im Kopf haben.
Ich bin nervös und hoffe, dass alles zeitgerecht klappt und das überträgt sich wohl, meiner Vermutung nach, auf die Kinder. Für die Kinder ist es ungewohnt, weil sie nicht wissen was auf sie zukommt und sie reagieren ablehnend oder aggressiv. Kinder kennen keine Uhrzeiten oder sie verstehen nicht, warum man um Punkt 8.30 Uhr spätestens im Kindergarten sein muss. „Warum, Mama?“ ist dann oft die Frage von meinem Großen.

Bedürfnisorientierte Erziehung

Um zum Ende zu kommen: Für mich ist es keine bedürfnisorientierte Erziehung (wenn man Wert auf diese Erziehungsform legt), wenn man versucht den Familienalltag so effizient wie möglich zu gestalten, damit sich alle Wünsche und Bedürfnisse der Eltern integrieren lassen.
Klingt jetzt hart, aber man muss einige Wünsche und Bedürfnisse aufgeben oder erst einmal auf Eis legen, um einen entspannten Familienalltag zu haben.
Kinder sind kleine Menschen, die man nicht nach Schema X behandeln kann. Obwohl, können schon, aber dies dient sicher nicht dazu, dass die Kinder glücklich aufwachsen dürfen und eine gute Bindung zu ihren Eltern aufbauen dürfen.
Für die Eltern ist es auch Stress pur. Dieser Stress kann sich dann sehr negativ auf die Kinder auswirken und vielleicht sogar in gewalttätigen Handlungen der Eltern gegenüber den Kindern auswirken.

Man sollte sich im Leben fragen: Was ist wirklich wichtig und nachhaltig für die Zukunft unserer Familie?

Niemand hat behauptet, dass das Leben immer leicht und chillig ist- wer das behauptet, der hat keinen Realitätssinn. Aber man kann sich das Leben so richten, dass man innerhalb der Familie wenigstens eine Auszeit vom stressigen Leben nehmen kann.

Wie seht ihr das?

 

 

 

2 Gedanken zu “Effizienz und Elternschaft

  1. Die Babyjahre liegen hier gefühlt ewig zurück (die Kinder sind jetzt 5 & 4 Jahre alt). Ich weiß aber noch, dass es für uns sehr kräftezehrend war und ich quasi keine Zeit für mich hatte. Und der Mann keine für sich. Also gearbeitet habe ich schon – das kann man Auszeit nennen, wenn man will, aber eine richtige Pause war es auch nicht – und nach der Arbeit war ich auch direkt wieder gefordert bis etwa 22/23 Uhr. Nachts wurde gestillt und morgens ging dann alles weiter.

    Schade, dass diese wunderschöne Zeit gleichzeitig so anstrengend war. Trotzdem würde ich auch noch ein Baby haben wollen; nur mein Mann sagt ehrlich, dass steht er nicht noch einmal durch.

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    1. Puh, ja. Das klingt wirklich extrem anstrengend!
      Bei uns ist jetzt mit Dreien auch Schluss, obwohl ich landläufig als Hausfrau zähle und folglich den Spagat zwischen AG und Familie nicht habe.

      Wer weiß… Vielleicht hat dein Mann in ein paar Jahren nochmals Lust auf ein Kind… 😜😉 Dann ist vielleicht der Stress wieder vergessen…

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