Innere Unruhe

Wer meinen letzten Blogbeitrag (Videoblogbeitrag zum Themeneinstieg: Hochsensibilität) gelesen hat, der kann es vielleicht erahnen (oder auch nicht), was in mir derzeit umtreibt. Daher gebe ich kurz, mir meine selbst verordnete, Blogpause auf. 

Es fühlt sich immer ein klein wenig „neben der Spur“ an, wenn sie nicht im Einlang mit sich selbst sind.

Brigitte Schorr

Eine Freundin empfahl mir folgendes Buch:

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ISBN: 978-3-7751-5441-3

Ich bin ein Nervenbündel

Ich merkte es schon länger, dass ich nicht die bin, die ich gerne wäre und mich nicht als die ausgebe, die ich bin. Zumindest in Gesellschaft. So wie ich wirklich bin, so wollte ich mich immer zeigen. Wusste jedoch aus meiner Erfahrung, wenn ich dies tue, dann „komme ich nicht an“. 

Einzig und allein mein Mann hat es bisher geschafft in mein Innerstes vorzudringen und er war bisher der einzige Mensch, der meine tiefsten Gedanken und Gefühle zu hören und zu spüren bekommen hat. Für ihn ist vieles nach wie vor verwirrend und für mich selbst war und bin ich auch oft noch sehr oft verwirrend.

Wer bin ich? Wer bin ich wirklich?

Dieser Frage gehe ich schon seit meiner Teenagerzeit nach.

Ich wusste immer, ich bin irgendwie anders und muss mich anpassen um überleben zu können. Ich suchte nach Lösungen und Wegen, wie ich dies schaffen kann. Eine Lösung für mich war im jungen Erwachsenen-Dasein, in Gesellschaft viel Alkohol zu trinken um die Menschen und die Menschenmassen in meiner Umgebung ertragen zu können. Daraus resultierte viel negatives. Bis hin zu dem Bild von mir nach außen, dass ich Alkoholikerin sei…

Als ich meinen Mann kennen lernte fragten ihn seine Freunde (diese „kannten“ mich sporadisch schon), ob er wirklich mit einer Alkoholikerin zusammen sein möchte.

Ich war zutiefst schockiert und über alle Maßen beleidigt und bestürzt. Dies war das erste Mal, dass ich von meinem damaligen Umfeld negative „Schwingungen“ über mich mitbekam. Noch heute kann ich den Personen die dies von sich gaben nicht wirklich in die Augen schauen und vergeben. Ich weiß leider ungefähr, wer das gesagt hat…

Kritisiert zu werden, aber auch Kritik zu üben, mag für jeden Menschen eine Herausforderung sein, für Hochsensible ist es aufgrund ihres großen Harmoniebedürfnisses eine wirkliche Belastung.

Brigitte Schorr

Gott sei Dank kannte mein damals zukünftiger Mann mich zu dem Zeitpunkt schon gut genug um zu realisieren, dass ich keine Alkoholikerin bin. Ich trank nur in Gesellschaft viel. Außerdem wusste er schon über meinen familiären Hintergrund bescheid und dass ich weiß, wie Alkoholiker wirklich sind und agieren. In seiner Familie gibt es auch einen Fall von starkem Alkoholismus. Leider!
Was die stark negative Assoziation von Alkohol in meinem Umfeld noch verstärkte, war die Tatsache, dass ich mich dazumal größtenteils in christlich geprägter Gesellschaft aufhielt, die mehr Wert auf den Schein als auf das Sein legten. Klingt jetzt hart, ist aber so. Niemand machte sich die Mühe mich wirklich kennen zu lernen. Wenn die Anna da war, war sie lustig, war gesprächig, war laut. Niemand checkte dass dies alles nur Maskerade ist. Dies verletzt mich heute noch genauso, wie damals, wenn ich darüber nachdenke.

Die Menschen, mit denen ich in meinem Leben wirklich tiefe Gespräche über das Sein und über den Sinn des Lebens führen und über alles mögliche philosophieren konnte, waren meistens keine Menschen, mit christlichem Hintergrund. Gut, das ist jetzt ein bisschen hart. Es waren auch einige Menschen mit christlichem Hintergrund dabei, die regelmäßig für Gespräche zur Verfügung standen. Unter anderem meine ehemalige beste Freundin, die jedoch selbst dazumal mit sich selbst nicht im Reinen war und mehr von sich erzählte statt mir wirklich zuzuhören. Sorry, falls du das liest. Dies war einfach meine subjektive Empfindung. Du und deine Familie habt mir enorm viel geholfen, besonders als es dazumal in meiner Herkunftsfamilie so schlimm war… Ihr habt mir die Sicherheit eines Zuhauses gegeben, als ich gefühlt keines hatte. Dafür werde ich euch ewig dankbar sein und ich denke mit viel Wohlbehagen an die vielen schönen Stunden bei euch zurück!  ❤

Nun gehört es zu den schmerzhaftesten Erfahrungen im Leben eines hochsensiblen Menschen, dass die Art von Beziehungsqualität, die ihnen vorschwebt, häufig selbst nicht einmal in der eigenen Familie stattfindet.

Brigitte Schorr

In meiner Teenagerzeit und Jugendzeit zog ich mich viel zurück. Mein Zimmer und meine Bücher waren mein sicherer Hort.

Gott sei Dank respektierten meine Eltern, zumindest zeitweise, diese Grenze und ich konnte dort ungehindert meinen Gedanken und Gefühlen nachgehen, ohne mich über alle maßen gestört zu fühlen. Gleichzeitig wollte ich aber gestört werden um jemand über meine innere Gedankenwelt berichten zu können. Jemandem, der nicht darüber wertet, sondern mir einfach zuhört und für mich da ist. Ich dachte bis heute, dies hätte meine Mutter tun sollen. Hat sie jedoch nie gemacht. Wenn ich etwas erzählte, versuchte sie es gleich irgendwie „tot zu reden“ oder mir kluge Ratschläge (die meistens auf der Bibel basierten) zu geben, die mich innerlich kochen ließen.
Ich warf ihr vor kurzem einmal vor, wir hätten nie wirklich miteinander geredet. Sie meinte, wir hätten immer über alles geredet. Ja… nach meinem Empfinden hat nur sie geredet und maßgeblich dazu beigetragen uns/ mir beizubringen, wie wir uns in dieser oder jener Situation zu verhalten oder auch was wir zu fühlen hatten und ich musste zuhören. Es war die innere Hölle für mich. Aber schlimmer als meine Mutter für mich, war mein Vater. Ich erinnere mich an die stundenlangen Predigten am Frühstückstisch, als erst gefrühstückt werden durfte, wenn er fertig war mit seinen Ausführungen zum Bibelvers des Tages. Ich hab ihn währenddessen innerlich tausendmal erstochen und erwürgt.

Wenn ich dies schreibe überkommt mich diese Wut und diese innere Unruhe erneut. Ich muss aufhören… Tief Luft holen…

Durch das oben genannte Buch habe ich schon gelernt, dass es typisch für Hochsensible ist, alles mit sich selbst ausmachen zu wollen und es dann oft mit einem unverständlichen Knall für die Außenwelt endet. 

Zudem ist diese Unentschlossenheit, diese mangelnde Fähigkeit Entscheidungen zu treffen weil man nicht alle Optionen kennt, dieses unbändige Gefühl so oft überfordert zu sein mit den Situationen im Leben… Diese Überreizungen im Leben, die mich ausflippen lassen, weil ich alles nicht mehr packe… All dies ist nicht abnormal, sondern zu meinem Wesenszug dazugehörig.

Für unsere Gesellschaft ist dies alles Schwäche. Wer nicht alles schafft, wer nicht stets weiß war er vom Leben will, wer nicht stets ausgeglichen ist, wer sich von seinen Gefühlen leiten lässt, anstatt von seinem Verstand, ist abnormal.

Ich muss meinen Wesenszug als Gabe anerkennen um mit mir selbst ins Reine zu kommen. Manche Eigenschaften kann ich abschwächen oder so in meinen Alltag integrieren, dass sie kein Hindernis darstellen. Andere Eigenschaften werden weiterhin sehr verstärkt in meinem Leben präsent sein und mich daran hindern „normal“ zu sein.

Das große Bedürfnis nach Freiheit, welches viele Hochsensible haben, resultiert meines Erachtens aus dem großen Ruhebedürfnis.

Brigitte Schorr

Der allergrößte Stressfaktor für mich ist, wenn ich keine Ruhe zum nachdenken und mich mich zum entfalten habe.

Ich brauche Ruhe!!! Sehr viel Ruhe.

Ich liebe es alleine zu sein. Ich brauche keine Menschen um mich herum. Dies ist in meiner derzeitigen Situation mit drei kleinen Kindern ein Spießrutenlauf. 

Vor allem da ich weiß, dass ich die derzeitige Situation nicht ohne weiteres ändern kann. Trotzdem muss ich versuchen mich im heute hier und jetzt wohl zu fühlen und die Situation einfach so annehmen wie sie ist und mich an meinen Kindern zu erfreuen und nicht zu warten bis sie endlich groß sind und alle in der Schule oder im Kindergarten sind um meine Ruhephasen voll auszuschöpfen.

Diese Zeilen hier zu schreiben war für mich, in den letzten zwei Stunden, Spießrutenlauf pur, da ich nicht genügend Ruhe hatte mich fortlaufend zu konzentrieren. Die Kinder waren ständig am streiten im Hintergrund und ich drehte fast durch deswegen…
Klar, ich hätte jetzt wahrscheinlich dies jetzt hier sein lassen und mich meinen Kindern widmen sollten, dies hier war mir aber jetzt wichtiger. Ich brauche dies hier. Diesen Blog. Die Möglichkeit alles aufzuschreiben. Das innere Gefühl, damit vielleicht irgendjemand da draußen aufklären oder helfen zu können. Mich von meinen inneren Gedanken befreien zu können. Diese Gedanken die mich umtreiben nach außen tragen zu können.
Ich blende die Gedanken aus, die mir sagen, dass es ziemlich wahrscheinlich viele Menschen gibt, die mit meinem geschriebenen Wort nichts anfangen können und/ oder sogar denken: „Die hat doch einen an der Klatsche!“

Unsere Kraft und Energie ist dort zu finden, wo wir ganz mit uns im Reinen sind.

Brigitte Schorr

Ich muss noch viel an mir arbeiten, vieles aufarbeiten. Mich selbst immer wieder zur Ruhe ermahnen. Ruhe im Sinne von Umgebungsruhe. Keine Geräusche die mich ablenken von meinen Gedanken und kreativem Schaffen. Es mag sich auf den ersten Blick nach Egoismus anhören, ist es aber nicht. Nach wie vor ist mir meine Familie und sind mir meine Kinder das allerwichtigste auf dieser Erde und ich würde ALLES für sie tun.

Es ist noch ein langer Weg.

Aber nun gut, für heute mach ich Schluss. Es gibt noch viel zu erzählen und zu erörtern, sehr viel. Dieser Blog wird sehr wahrscheinlich noch mit vielem gefüllt werden, was dieses Thema betrifft.

Wenn du dies alles nicht verstehst, auch kein Problem, dann bist du einfach Normalsensibel. 🙂

Ich persönlich bin wirklich Gottfroh, endlich die Ursache für mein Denken und Fühlen gefunden zu haben.

 

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