Bloggen- Warum tu ich mir das eigentlich an? Warum erzähle ich so viel von mir?

Viele, die mich auch persönlich kennen, dürften sich vielleicht schon gefragt haben, warum ich das tue!?
Warum trage ich so viel persönliches von mir in alle Welt hinaus!?
Ob ich vielleicht irgendwie ein Aufmerksamkeitsdefizit aufweise!?
Wie ich allgemein auf die Idee komme, überhaupt so viel von mir und meiner Familie zu erzählen?  So was tut man doch nicht in der Öffentlichkeit! 

Ja… Das sind nur ein paar Fragen, von denen ich weiß, die sich wohl so einige stellen oder in der Vergangenheit schon gestellt haben. Warum? Weil ich so aufgewachsen bin. Nicht nur familiär, sondern auch der Freundeskreis.
Wie sagt man so schön: Ich kenne meine Pappenheimer! 😀 Bei uns zu Hause hieß es immer: „Was zu Hause geschieht, bleibt auch daheim.“ Wobei da jedoch wohl eher das negative gemeint war und die Angst mitschwang, das Kind könnte irgendwas schlimmes erzählen… Im engsten Freundeskreis waren auch ein paar Individuen, die ziemlich introvertiert waren: Ja nicht zu viel erzählen! Wie es einem wirklich geht und was man wirklich fühlt ist Privatsache, das geht niemand außer einem kleinen, elitären Kreis was an. Damit könnte man sich für seine Umwelt angreifbar machen!
Da ging es wohl auch darum irgendwie unnahbar zu bleiben… Auch im Bezug auf Jungs… 😉 Träumerisch– Der Junge muss das Mädchen aus „ihrem Häuschen“ locken und umwerben und nur DER Junge war es wert… 😀 Jaja… Mädchenträume…
By the way, wenn ich so bei meinem Mann gehandelt hätte, wären wir ziemlich wahrscheinlich heute nicht verheiratet… 😉

Es dauerte ein paar Jährchen bis ich mir vornahm da nicht mehr mitzumachen.
Es inkludierte auch einen ziemlich schmerzhaften Cut mit meiner ehemals besten Freundin, bei dem ich leider die tragende Rolle gespielt hatte. Sprich ich war die Verursacherin des nicht ganz so schönen auseinander-gehens… Aber nun gut, es ist wie in einer festen Beziehung die in die Brüche geht, das läuft seltenst harmonisch ab…

Klar macht man sich angreifbar, wenn man viel von sich preis gibt! Aber auch direkt das Gegenteil ist der Fall:

Niemand interpretiert mehr irgendwas in dich hinein oder kann mehr was in dich hinein interpretieren und beurteilt dich aufgrund seiner Interpretation über dich…

Das hat mich viel mehr gestört… Ich will bestimmen, was meine Umwelt über mich denkt und weiß! Ich will die Kontrolle über den Informationsfluss über mich haben! Das kann ich tun, indem ich mich abschotte und gar nichts über mich preisgebe und mich den Mutmaßungen hingebe, oder indem ich dem entgegenwirke und alles bzw viel über mich erzähle und somit den ganzen Mutmaßungen zuvorkomme. Was besser oder schlechter ist, sei dahingestellt.

Kleine Anekdote
Tatort: Abschlussfest von der Altenpflegeschule

Ein paar Mitschüler hatten eine private Abschlussfeier organisiert. Ein Mitschüler hatte wohl zu Hause einen Hof und auf einer Wiese wurde ein Festzelt aufgestellt. Wie man es so kennt, es war reichlich Alkohol da. Eine Liveband spielte. Es wurde getrunken, getanzt und gelacht. Ich „natürlich“ mittendrin. Wenn ich trank, dann wurde ich zur redseligsten Person. Von fast gar nichts reden zu einem immensen Redefluss, das ist für die Umwelt natürlich nicht immer so gut zu verkraften… 😉 
Ein älterer Mitschüler (wir waren bunt gemischt, von 18 bis 50) meinte dann im Laufe der Nacht zu mir: „Anna, so kennt man dich ja gar nicht! So gefällst du mir! Du solltest öfter was trinken. Da kommst wenigstens mal aus dir heraus!“ 
Ja… Und Anna fand den Ratschlag ganz toll… Ich mochte es, gemocht zu werden!
Klar, wer mag das nicht!? Ich fühlte mich frei. Endlich war es mir scheißegal, was die Leute über mich denken, also so richtig scheiß egal.
Drogeneinfluss… 

Seitdem kann ich nachvollziehen, wie jemand in eine Drogenabhängigkeit schlittern kann… (Nein, ich war nie Alkoholabhängig! Nur, damit das hier jetzt nicht falsch rüber kommt. Allerdings hatte ich lange Jahre Probleme mit dem Suchtmittel Nikotin…)

Leute. REDET! Erzählt was euch bewegt oder bedrückt! Es ist egal ob euer Gegenüber euch zustimmt oder nicht! Hauptsache es ist draußen!

Ich verbrachte meine ganze Kindheit, meine ganzen Jugendjahre und mein junges Erwachsenen Daseins damit, still zu halten. Unnahbar zu sein. Was in mir drin ist, bleibt auch in mir. Komme da was wolle.
Es hat mich krank gemacht! Ich wurde ein merkwürdiger Mensch. Ich überspielte das alles indem ich noch burschikoser wurde als ich ohnehin schon war. Fing an zu rauchen, fing in Gesellschaft an viel zu trinken- damit ich mit den Menschen klar komme. Spielte immer den lustigen, lauten, gut gelaunten Menschen (der ich in Folge auch wurde, es hat sich so einverleibt). Zu wichtigen, brisanten Themen sagte ich nichts, bzw enthielt mich meiner Stimme. Wollte nirgendwo anecken. War wohl auch nicht ganz unbeliebt, hatte viele „Freunde“. Wollte mein Leben genießen und checkte gar nicht, dass ich mich immer tiefer in die Scheiße ritt.

Nun hat sich das Blatt gewendet… 🙂

Schreiben ist meine Leidenschaft, meine Gabe, war sie schon immer. Reden ganz und gar nicht. Daher schreibe ich. Dies ist mein Kommunikationskanal an die Welt. Andere machen Musik, malen, reden… Ich schreibe. Kommt für den ein oder anderen evtl. komisch rüber, aber dann kann derjenige mit meinem Kommunikationskanal einfach nichts anfangen.
Muss ich damit leben. Besser als alles in mich hineinzufressen.
Diejenigen die sich aufregen, haben eigentlich nie gefragt wie es mir wirklich geht und mir die Möglichkeit und die Zeit gegeben mein innerstes, meine Sorgen, meine Nöte auszuschütten und zu beschreiben! Ohne es zu bewerten, ohne ach so kluge Ratschläge zu verteilen, die einen danach verletzt zurücklassen. Daher ist es mir nicht wichtig, was sie über mich denken. Es tut vielleicht kurz weh, besonders wenn die Menschen mir im Grunde nahe stehen, aber es ist für meinen Alltag nicht von Belang.
Diesen Blog lesen nur eine handvoll Menschen regelmäßig. Einige regen sich über diverse Sichtweisen auf. Sollen und können sie, ist ihr gutes Recht! Hab ich nichts dagegen. Es ist für mich irrelevant.

Menschen kommen und gehen und nur die, die bleiben, sind es wirklich wert! 

Die Menschen, mit denen ich unter einem Dach wohne. Der Mensch, mit dem ich alt werden möchte, ist mir am Wichtigsten. Was diese Menschen denken und fühlen und über mich denken ist mir am Wichtigsten.
Wenn ich da keinen Rückhalt hätte, dann könnte ich auch über gewisse Dinge nicht so frei reden bzw bloggen.
Es hat mich bis zu einem gewissen Grad innerlich frei gemacht, die Dinge beim Namen zu nennen.
Mich mit Dingen auch öffentlich, ohne falsche Scham, auseinander zu setzen, über die ich jahrelang nur nachgedacht hatte.
Vieles was ich hier schreibe beschäftigt mich schon über Jahre hinweg und traute mich nicht meine Thesen zu äußern, weil ich ganz genau wusste dass diese Meinungen absolut nicht gerne gehört werden.

Danke fürs Lesen 🙂

 

3 Gedanken zu „Bloggen- Warum tu ich mir das eigentlich an? Warum erzähle ich so viel von mir?

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