Gewalt in der Kindererziehung

Vor ein paar Wochen war bei uns in den lokalen Nachrichten wieder einmal groß das Thema:

Das Schlagen von Kindern ist verboten!

Dies zählt unter Misshandlung und gesetzlich schon länger verboten und dennoch ist es häufig immer noch gang und gebe.

Und ja, es stimmt. Die Watschn, der Klaps auf den Po, ist vielerorts und häufig normal und wird im Volksmund auch noch als ganz reguläres und legitimes Erziehungsmittel propagiert. Es würde zwar nie jemand öffentlich zugeben, aber im verborgenen, im 4-Augen-Gespräch, wird es als gutes Erziehungsmittel angepriesen. Die „gesunde Watschn“ wird nach wie vor, im Volksmund, als gut angesehen.

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Pädagogen und zumeist Menschen ohne Kinder, verurteilen dies scharf und lehnen es zutiefst ab und schelten die Eltern, die es nicht schaffen auf dieses „Erziehungsmittel“ zu verzichten. Erzieher und Lehrer die mitbekommen, dass so etwas bei einer Familie zu Hause praktiziert wird, müssten es auch gleich zur Anzeige bringen.

Gut… Da müsste man jedoch ziemlich wahrscheinlich 80% der Eltern bestrafen oder wegsperren und die Kinder unter staatliche Obhut nehmen, was nun auch nicht wirklich ein prikelndes Ziel ist… Trotz allem sind die Eltern das Wichtigste für ein Kind!

Ein gängiges Totschlagargument ist: „Wenn man mit Kind/ ern überfordert ist, sollte man keine bekommen!“ Dies kommt allerdings meistens nur von Kinderlosen…

Ich kenne einige Pädagogen. Die meisten lehnen Gewalt an Kindern zutiefst ab- logisch. Aber es gibt auch einige, die es nicht so streng sehen und einige, die auch mittlerweile selbst Kinder haben und merken, dass nicht immer alles nur schwarz und weiß ist. Es ist ein signifikanter Unterschied, ob man die Kids nur für ein paar Stunden am Tag hat oder für die Haupterziehung zuständig ist… Neben den vielen schönen Stunden mit den Kindern ist es einfach oft Stress pur!

Nein, das weiß man nicht, bevor man keine Kinder hat! Man kann es erahnen aus den Erzählungen anderer, aber glauben tut man es eigentlich nicht wirklich- so ging es mir mal früher. Ich fand immer: „Die übertreiben doch alle! Diese kleinen lieben Kinder, was können die schon groß für Stress und Ärger machen? Die sollen sich nicht so haben!“

Ein Leben als Eltern ist eine Achterbahnfahrt. Man ist rund um die Uhr für ein kleines Wesen zuständig, dass dir voll und ganz vertraut. Es wartet darauf, dass du ihm die richtigen Weichen für sein Leben stellst, dass du sagst, was dran ist! Ein Kind, je nach Alter, braucht viel Unterstützung und Führung im Leben. Je größer/ älter ein Kind wird und je mehr es seinen eigenen Willen entdeckt, der ja auch gut und wichtig ist, umso schwerer wird es für alle Beteiligten. Es ist ein fortlaufender Prozess. Kinder bleiben nicht stehen, sie entwickeln sich rasant. So rasant, dass ich als Mutter häufig nicht hinterherkomme und die Kinder dann wütend sind, weil ich nicht kapiere, dass sie dies oder jenes schon können und warum ich es ihnen denn nicht zutraue!

Dazu kommt noch das Wesen der Eltern, die auch nur Menschen sind und selbst auch viel um die Ohren haben. Eigene Wünsche und Ziele, eigene Gedanken und Gefühle, die sich oft nicht mit den derzeitigen Bedürfnissen der Kinder decken.

Eigene Erziehung

Viele von uns wurden selbst noch nach der alten Schule erzogen: Zimmerarrest, Hausarrest, Essensentzug, Popo-voll mit Hand oder Kochlöffel, zwischendurch die berühmte Watschn oder den Klaps auf den Po, wenn man nicht gespurt hat… Für viele von uns (30+) war das früher normal. Klar, es gab schon die Eltern, die Antiautoriär erzogen haben, aber diese wurden, zumindest von meiner Mutter, ziemlich schief angesehen. Was kann da nur heraus kommen!? War oft die Frage.

Diese ganzen Erlebnisse, Gedanken und Gefühle aus der eigenen Erziehung spiegeln sich auch sehr oft in der Erziehung der eigenen Kindern wider.

Man kann und muss reflektieren: Was war gut? Was war schlecht?

Und Gott weiß, das mache ich verflixt oft! Ich bin bei weitem nicht mit allem einverstanden, wie ich früher erzogen wurde und vieles legte ich im Bezug auf meine Kinder auch schon ab- Gott sei Dank! Aber einige Dinge sind so verankert, die bekommt man, besonders in schwachen und labilen Zeiten, einfach nicht heraus.

In der Eltern-Rolle ist man tagtäglich enorm viel Einflüssen ausgesetzt, man kommt eigentlich fast nie mal zum durchschnaufen. Das soll jetzt nicht nur negativ gemeint sein, aber es ist so. Kommt natürlich auch, wie oben schon erwähnt, auf das Alter der Kinder an. Ein Baby ist intensiver zu betreuen wie ein Vierjähriger, der doch schon viel selbstständig machen bzw machen will und die Mama nicht mehr ständig daneben sein muss… (Größere Kinder hab ich noch nicht, daher werde ich wahrscheinlich die nächsten Jahre noch was berichten zu haben! 😉 )

Ich will jetzt das Schlagen von Kinder nicht rechtfertigen- Nein! Es ist und bleibt ein No-Go. Allerdings möchte ich das Bewusstsein der Leute schärfen, dass es manchmal einfach nur aus reiner Überforderung und Stress heraus geschieht. Es sollte auf keinen Fall ein Haupt-Erziehungsmittel sein!

Hast du jemand in der Verwandtschaft oder in deiner Bekanntschaft, bei denen du merkst, da kommt es ab und an mal vor? Oder sie erzählen es dir sogar?

Biete deine Hilfe an!

  • Frage, ob du mit den Kindern vielleicht mal auf den nächsten Spielplatz gehen darfst.
  • Frage, ob du mal zum babysitten kommen darfst.
  • Frage, ob man allgemein mit den Kindern helfen kann!

Ich versichere dir, das ist mehr Hilfe für alle Beteiligten, als mit dem Finger auf sie zu zeigen und sie zu verurteilen!

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Nur leider sind die heutigen Strukturen darauf ausgelegt, dass jeder nur noch sein eigenes Süppchen kocht. Keiner möchte dem anderen mehr helfen ohne Gegenleistung dafür zu verlangen. Jeder meint immer, man ist dem anderen was schuldig, wenn einem was geholfen wurde. Keiner ist mehr bereit, den Menschen in seinem direkten Umfeld einfach nur aus Nächstenliebe zu helfen!

Der Staat fängt das dann auf und richtet mit Steuergeldern immer noch mehr Kleinkinder-Betreuungseinrichtungen ein und baut einen großen Versorgungsapparat auf, damit die Eltern erstens wieder früh arbeiten gehen können und zweitens, ja, damit die Eltern auch mit der Betreuung entlastet sind. Ich bin allerdings vehementer Gegner von diesem System- zumindest im Kleinkindalter. Ein Kleinkind braucht die Eltern oder andere feste Bezugspersonen, die dem Kind Sicherheit, Geborgenheit und Liebe geben. In einer Betreuungseinrichtung mit wechselnden Erziehern, vielen Kindern im gleichen Alter, oft stundenlang ohne Mama ist dies einfach nichts Gutes für die Entwicklung eines Kleinkindes. Vor allem für das Vertrauen und die Bindung ans Elternhaus. Voraussetzung dafür ist natürlich ein intaktes Elternhaus. Ist dies nicht gegeben, ist es sicherlich sinnvoll die Kinder für einen halben bis ganzen Tag, mehrmals die Woche, aus der Familie herauszuholen, damit sie merken: „Hey, das was zu Haus passiert, ist NICHT NORMAL!“ Dies geschieht allerdings im Kleinkinderalter noch nicht, da dort das Vertrauen in die Eltern noch ungebrochen ist.

Was ich jedoch im Bezug auf Gewalt, in den öffentlichen Diskussionen, immer wieder vermisse, ist der Bezug zur verbalen Gewalt! Es wird immer nur von körperlichem Missbrauch gesprochen. Ich persönlich kann mich, außer an ein Erlebnis, an kein einziges Mal erinnern, dass ich von meinen Eltern geschlagen wurde. Obwohl ich weiß, dass diese Erziehungsmethode bei uns zu Hause praktiziert wurde. An was ich mich allerdings sehr genau erinnern kann, sind die verbalen Attacken! Diese haben sich tief in meine Seele eingebrannt und beschäftigen mich heute zum Teil noch… Anschreien, anmotzen, negative Worte über dem Kind aussprechen, beleidigen… Diese Dinge setzen sich viel mehr in einer Kinderseele fest, als zwischendurch mal eine Watschn ect.

Worte können mehr verletzen als 1000 Schläge ins Gesicht

Heißes Thema!

Da ich weiß, dass dieser Blog auch von Nicht-Eltern gelesen wird entschuldige ich mich schon mal für meine Anschuldigungen an die Kinderlosen.

Aber dies ist meine eigene subjektive Erfahrung mit Menschen ohne Kinder, die Ratschläge an Menschen mit Kindern verteilen. Von außen betrachtet ist vieles ganz einfach, aber in der Situation drin ist es verfahren. Man kann als Mutter nicht objektiv sein! Man ist in der Materie hoch emotional drin. Aber diese Emotionen sind auch was Gutes! Sie sorgen dafür, dass wir unsere Kinder, in aller Regel, auf biegen und brechen schützen und beschützen. Mutterinstinkt. 


Zum Schluss noch ein paar Interessante Statistiken und Infos aus dem Netz: 

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/220137/umfrage/anwendung-ausgesuchter-koerperlicher-zuechtigungsmassnahmen/

https://www.gewaltinfo.at/fachwissen/ausmass/statistiken.php

https://kurier.at/chronik/wien/studie-gewalt-am-kind-jedes-zweite-kind-wird-geschlagen/96.851.562

https://www.focus.de/familie/psychologie/gewalt-in-der-erziehung-eltern-schlagen-aus-ueberforderung-zu_id_4458700.html

https://www.welt.de/wissenschaft/article163957068/Das-geht-durch-die-gesamte-Gesellschaft.html

https://www.ecpat.at/themen/kinderschutz/

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article152390126/Oft-erinnern-sie-sich-nicht-an-die-Schlaege.html

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