Abtreibung

Mein Anlass für diesen Artikel war die Debatte um § 219a im deutschen Bundestag.

Als Österreicherin hab ich mich natürlich auch über die Gesetzeslage hierzulande schlau gemacht. Den Gesetzestext dazu findet ihr hier (Seite 657f)
Bei uns ist nur eine ärztliche Beratung Pflicht und der Schutz des ungeborenen Kindes wird mit keinem Wort erwähnt. Auffallend ist, dass in Österreich im Vergleich zu Deutschland deutlich mehr Abtreibungen pro 1000 Frauen durchgeführt werden, nämlich fast 4 mal so viele! (Quelle)
Die deutsche Gesetzesregelung finde ich persönlich viel besser.

Definition und Allgemeines

Eine Abtreibung oder Schwangerschaftsabbruch (SSA) ist die vorzeitige, unnatürliche Beendigung einer Schwangerschaft durch eine medikamentös induzierte Fehlgeburt oder einen chirurgischen Eingriff.

Wer mehr über die einzelnen Methoden erfahren möchte kann einmal hier klicken.

In den meisten westlichen Ländern ist die Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche (SSW) straffrei, danach nur noch unter bestimmten Umständen,  wenn beispielsweise die Gesundheit und das Leben der Mutter gefährdet sind.

Manche Länder haben eine gesetzlich verankerte Beratungspflicht mit vorgeschriebener Wartezeit der Frau zwischen Beratung und Abtreibung, z.B. 3 Tage in Deutschland, 7 Tage in Frankreich. In Österreich ist eine Beratung keine Zwangsmaßnahme, die meisten Ärzte setzen aber zwei Termine für Beratung und Durchführung an, mit ein paar Tagen Abstand.

Viele Länder erlauben die Abtreibung von Babies, die eine Behinderung wie zB. Down Syndrom aufweisen, sogar ohne zeitliche Begrenzung, also theoretisch bis kurz vor der Geburt. Dies führt dazu, dass in Deutschland alleine schon ca. 90% der Frauen ihr Kind nicht austragen, wenn Tests eine Behinderung des Kindes vermuten lassen.

Argumente der Abtreibungs-Befürworter

Es gibt natürlich noch mehr Argumente, ich habe mir aber die beiden meistgenannten rausgepickt, um die Länge dieses Artikels in Grenzen zu halten.

 

1) „Das ist noch kein Baby, nur ein Klumpen Zellen“

Ist dem wirklich so?

Anfangs vielleicht.

Nach der Befruchtung beginnt sich die 1. Zelle sofort zu teilen. Immer und immer wieder. Währenddessen wandert der Embryo aus dem Eileiter in die Gebärmutter und nistet sich dort ein. Die Fruchthöhle wird angelegt, in der der Embryo weiter heranwächst. Hier könnte man noch von einem Zellklumpen sprechen.

Aber die wenigsten Abtreibungen finden so früh statt.
SSW werden vom ersten Tag der letzten Regel an gezählt, also sind die meisten Frauen bereits in der 3.-4. Woche, wenn sie die Schwangerschaft feststellen. Der Entscheidungsprozess, das Beratungsgespräch – all das nimmt Zeit in Anspruch und nur wenige Frauen sind mit der Entscheidung so schnell.

In der 4./5. Woche kann man den Dottersack deutlich sehen, von dem sich der Embryo noch ernährt. Erste Organe entstehen, das Herz fängt an zu schlagen, die Wirbelsäule und das Gehirn bilden sich aus.

6./7. Woche: Langsam erkennt man schon die menschliche Form des Embryos. Die Augen sowie Ansätze für Arme und Beine sind schon deutlich erkennbar.

8.-10. Woche: Das Baby ist nun an den Blutkreislauf der Mutter gekoppelt. Die erste Entwicklungsphase geht zu Ende. Finger und Zehen werden fertig ausgebildet, Gesichtszüge sind schon erkennbar, die äußeren Geschlechtsteile werden bereits angelegt, die Augenlider sind schon halb geschlossen. In dieser Phase von der 7. bis zur 12. Woche finden die meisten Schwangerschaftsabbrüche statt.

Unten seht ihr einen Embryo in der 10./11. Woche, mit Plazenta, Nabelschnur und Dottersack (die Kugel links im Bild). Das Bild stammt aus dem Buch „Ein Kind entsteht“ von Lennart Nilsson

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11./12. Woche: Die Augenlider schließen sich, der Fötus ist nun fast komplett ausgebildet und muss von jetzt an hauptsächlich noch wachsen bis zur Geburt.

Für genauere Infos zur Entwicklung könnt ihr auch gerne hier klicken.

Also: ab wann kann man denn nun sagen, dass es eine eigenständige Person ist? Ab der Befruchtung? Wenn das Herz anfängt zu schlagen?

Auch wenn der Embryo nicht sofort wie ein Mensch ausschaut: in den Zellen ist von der Befruchtung an schon alles angelegt, was es braucht, damit ein neuer Mensch entsteht. Die Augen- und Haarfarbe, das Geschlecht, die zukünftige Größe  – all das steht bereits fest. Ab der ersten Zelle.

Fazit: Das Argument vom Zellklumpen passt nicht. Es ist auch nicht nur „potentielles Leben“. Von Anfang an ist es Leben mit Potential.

 

2) „Ich bestimme selber über meinen Körper“ – „Mein Bauch gehört mir“

Das Problem bei diesem Argument: das Baby gehört nicht zum Körper der Mutter. Es ist ein eigener Mensch mit einer einzigartigen DNA, eigenen Fingerabdrücken, einem eigenen Kreislauf und Nervensystem… Angewiesen auf den Schutz der Mutter, bis es überlebensfähig ist.

Der Bauch der Mutter sollte der sicherste Ort der Welt für diese kleinen Wesen sein. Stattdessen wird ihr Recht auf Leben und Würde einfach hinter das der Mutter gestellt.

 

Was ist eigentlich mit dem Vater?

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Was mir vorher schon und auch bei der Recherche für diesen Artikel immer wieder aufgefallen ist: So gut wie niemand spricht über die Väter der abgetriebenen Kinder!

Leider spielen viele von ihnen auch eine negative Rolle bei der Entscheidung, wollen keine Verantwortung übernehmen und überlassen die Entscheidung der Mutter, drängen sie teils sogar zur Abtreibung.

Aber es gibt auch das Gegenteil: Männer, die sich – nach dem eventuellen ersten Schock – über die Schwangerschaft freuen und denen aber die Gelegenheit genommen wird, ihr Kind überhaupt kennen zu lernen.

Väter haben kein Mitspracherecht bei der Entscheidung. Wenn die Frau sich auf ihr Selbstbestimmungsrecht „Es ist mein Bauch!“ beruft, müssen sie ohnmächtig zusehen, wie ihr eigen Fleisch und Blut getötet wird.

In Deutschland sind wohl mehr als ein drittel der Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen, sogar verheiratet.

Wer das Thema vertiefen will: Einen lesenswerten Artikel habe ich hier gefunden.

 

Gründe für Abtreibungen

Das wird jetzt hart für Abtreibungs-Befürworter.

Klar gibt es die Fälle von Vergewaltigung oder Inzest, die man gerne als Argument Pro-Abtreibung vorschiebt. Leider zeigt die Realität ganz klar:

Diese besonderen Fälle machen deutlich weniger als 1% der Abtreibungen aus!

Dazu eine Statistik aus Deutschland von 2016 als Beispiel:

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Kriminologische Indikationen sind Vergewaltigungen. In ganz Deutschland wurden im Jahr 2016 nur 10 Abtreibungen aus diesem Grund vorgenommen!

Medizinische Indikation bedeutet, dass das Leben und/oder die Gesundheit der Mutter gefährdet ist und die Schwangerschaft zu ihrem Schutz abgebrochen wird. Dies ist häufiger der Fall und ethisch absolut vertretbar.

Quelle und genauere Statistik von 2009 bis 2016

 

Bei der Recherche zu diesem Punkt bin ich über eine Seite gestolpert (klick), auf der ich folgende Auflistung von Gründen für einen SSA gefunden habe:

  • Ich wollte nie Kinder
  • Der falsche Zeitpunkt
  • Ich bin noch zu jung
  • Ich kann die Verantwortung nicht übernehmen
  • Ich habe momentan genug mit mir selbst zu tun
  • Ich glaube, ich wäre eine schlechte Mutter
  • Ich habe nicht den passenden Partner
  • Ich möchte kein Kind in diese Welt setzen
  • Die Schwangerschaft könnte meinen Körper zerstören
  • Nicht noch ein Kind
  • Ich kann mir das finanziell nicht leisten
  • Ungewollt schwanger bei einem Seitensprung
  • Mein Kind würde behindert zur Welt kommen

Mir blutet das Herz, wenn ich sowas lese 😢

Ich bin der Meinung, wenn zwei Menschen (denn damit es zu einer Schwangerschaft kommt, braucht es immer noch zwei) sich dazu entscheiden, mit ihrer Sexualität verantwortungslos umzugehen, müssen sie auch die Konsequenzen tragen. Stattdessen werden die meisten Babies heute abgetrieben, weil die Eltern nicht genug vorsorgen, um gar nicht erst in diese Situation zu kommen.

Verhütungsmittel gibt es genug und sie sind auch jedermann zugänglich. Kondome sollte man bei häufigen Partnerwechseln, One-Night-Stands oder neuen Bekanntschaften ohnehin benutzen, schon alleine wegen der Gefahr sexuell übertragbarer Erkrankungen. Die Pille bietet zusätzlichen Schutz, sollte ein Gummi nicht reichen.

Nur mal so am Rande: Das beste Verhütungsmittel wäre immer noch Enthaltsamkeit! Damit ließen sich viele ungewollte Schwangerschaften verhindern – und einen positiven Effekt auf  zukünftige Ehen hätte es auch noch 😉

Die ungeborenen Kinder sind diejenigen, die unter der Verantwortungslosigkeit der Eltern leiden. Sie können nichts dafür und werden doch aus ihrem Leben gerissen, bevor es überhaupt richtig angefangen hat.

Um das klar zustellen: Ich verurteile keine Frau, die sich für diesen Schritt entscheidet. Ich kenne weder ihre Beweggründe noch ihre Situation. Ich verurteile lediglich die Tat, nicht aber die Frau!

Tatsache ist: eine Abtreibung ist der Mord an einem Kind. Einem Baby mit schlagendem Herzen, das Schmerz spüren kann.

Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf einen Film aus dem Jahre 1984 gestoßen. Ein Arzt hat die Abtreibung eines 12 Wochen alten Fötus mit Ultraschall aufgezeichnet. Ihr könnt den Film samt Erklärung hier ansehen, aber ihr braucht starke Nerven! 

Wir spielen Gott indem wir entscheiden, welches Kind ein Recht auf Leben hat, und welches nicht. Stattdessen sollten wir werdenden Mütter in Notlagen jede Hilfe zukommen lassen, die sie brauchen, um ihnen dieses furchtbare Ereignis zu ersparen.

Viele Frauen leiden noch lange darunter. Das „Post-Abortion-Syndrom“ wird von der Wissenschaft leider nicht anerkannt. Bedenkt man, dass Abtreibungen öffentlich weitestgehend als etwas Positives und eine Errungenschaft des Feminismus dargestellt werden, ist es nicht verwunderlich, dass betroffene Frauen aus Angst vor Verurteilung und negativen Reaktionen nicht darüber sprechen, wenn sie ihren SSA bereuen. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein. Eine wissenschaftlich anerkannte Statistik hierzu fehlt leider noch.

 

„Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt“ (Gustav Heinemann)

Daran gemessen steht es schlecht um unsere Gesellschaft.

Ich werde mich auch in Zukunft für die Rechte ungeborener Kinder einsetzen, sei es in persönlichen Gesprächen, durch die Unterzeichnung von Petitionen oder Blogposts zu dem Thema.

 

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